Die Fraa vun Bensem / Joseph Stoll Platz |
Nachdem sich die Sage der „Fraa vun Bensem“ eingebürgert hatte und es von Joseph Stoll auch Gedichte über sie gab, sorgte Joseph Stoll als 1. Vorsitzender des Verkehrsvereins und 2. Beigeordneter der Stadt Bensheim für die Errichtung der Parkanlage mit dem Brunnen der „Fraa vun Bensem“. Diese Anlage wurde an der Stelle der um 1910 abgebrochenen Stadtmühle angelegt und am 30. Mai 1935 eingeweiht. Der Schöpfer der legendären Figur auf dem Brunnen war der Bildhauer Tilmann Zobel aus Auerbach. Am Brunnenstock sind vier wasserspeiende Landsknechtsmasken angebracht die die Zeit des 30jährigen Krieges nochmals unterstreichen.
Aus dieser Konstellation heraus wurde die „Fraa vun Bensem“ zu einer Symbolfigur und Wahrzeichen der Stadt Bensheim die, aus Tradition, beim Winzerfestumzug teilnimmt. Bei vielen offiziellen Anlässen und Empfängen ist sie anwesend (sie wird von Doris Walter von der Heimatvereinigung „Oald Bensem“ dargestellt) Am 5. Oktober 1957 wurde dieser Platz mit dem Brunnen, zu Ehren des Heimatdichters Stoll zum sog. „Joseph -Stoll - Platz“ umbenannt. Nach seiner Ansprache übergab Bürgermeister Kilian die Urkunde über die Schaffung des Platzes an die Familie Stoll. Weitere Ansprachen hielten der zweite Vorsitzende des Kur- und Verkehrsvereins, Josef Heiser, und der zweite Vorsitzende von „Oald Bensem“, Hans Roth. Den Platz nach Joseph Stoll zu benennen, hatte die Stadtverordnetenversammlung beschlossen. Zu dem Einweihungsakt spielte die Kapelle der Heimatvereinigung. Hans Roth beschloß seine Ausführungen: „So möge denn dieser Platz mit dem Namen Joseph Stoll der jetzigen und zukünftigen Generation eine stete Erinnerung sein an einen großen Sohn dieser Stadt, aber auch gleichzeitig Mahnung und Ansporn für alle, für ihre Heimatstadt mit dem gleichen Idealismus zu wirken, wie dies Joseph Stoll getan hat.“ Geschichte der „Fraa vun Bensem“ Wo Dichtung und Wahrheit eng beisammen liegen, und Geschehnisse beschrieben werden die aus der Vergangenheit kommen, ist es oftmals schwer das eine von dem anderen zu unterscheiden. Ähnlich ist es bei der Bensheimer Sage über die sog. „Fraa vun Bensem“ die im 30jährigen Krieg angeblich die damaligen Feinde durch einen unterirdischen Gang in die Altstadt gelassen haben soll. Auch hier führte eine geschichtlich Begebenheiten aus der Zeit des 30jährigen Krieges verbunden mit blumiger Phantasie zu einer Sagengestalt von der heute noch die Rede ist. Der historisch belegbare Sachverhalt kennt jedoch keine Frau von Bensheim. Sage der Fraa vun Bensem In einem reizvollen Winkel an der Stadtmühle steht das Denkmal der Fraa vun Bensem". Wir erblicken eine alte Frau mit einer Laterne. An dem Saum ihres langen Rockes schmiegt sich eine Katze. Die Alte hebt die eine Hand als wollte sie sagen: "Vorsicht, nicht so laut!" Was mag diese Figur wohl bedeuten? Da müssen wir viele hundert Jahre zurückgehen bis zum 30jährigen Krieg. Damals zogen fremde Kriegsvölker im Lande umher, eroberten und plünderten die Städte und töteten die Einwohner. Bensheim war von einer hohen Mauer mit starken Toren und wehrhaften Türmen umgeben. Da kamen im Jahre 1644 die Schweden und Franzosen und belagerten die Stadt. Trotz standhafter Abwehr der Bürger gelang es den Feinden in die Stadt einzudringen. Auf dem Marktplatz richteten sie ein furchtbares Blutbad an. Das Blut der Bürger soll damals wie ein Bach den Marktplatz herunter geflossen sein. Gerade 14 Tage hatten sich die Schweden und Franzosen in Bensheim einquartiert, da kamen die Bayern. Das waren ihre Gegner. Diese belagerten die Stadt und beschossen sie vom Griesel aus. Nachdem sie die Vorstadt erobert hatten, standen sie vor der unbezwinglichen Doppelmauer, welche die Altstadt von der Vorstadt trennte. Vergeblich versuchten sie, dieses Hindernis zu bezwingen. In der Vorstadt wohnte eine alte Frau. Viele ihrer Freunde und Bekannten waren vor 14 Tagen durch die Schweden und Franzosen ums Leben gekommen. Deshalb haßte sie die Eroberer und erbot sich, den Bayern hintenherum einen geheimen, unterirdischen Gang, der in die Altstadt führte, zu zeigen. Um Mitternacht erschien sie mit einer Laterne. Sie führte die Bayern an die Stelle, wo der Mühlgraben, dessen Wasser das Mühlrad der Stadtmühle trieb, unter der Stadtmauer hindurchgeht. Die Bayern krochen hinein, drangen bis zur Stadtmitte vor und hieben die ganze schwedische Besatzung nieder. Seit dieser Zeit geht im Volke das Sprichwort: „Hinnerum, hinnerum, wie die Fraa vun Bensem.“ Soweit die Sage. Aus: Rund um den Kirchberg von Richard Matthes Geschichtlicher Hintergrund der Sage 1634 nach der, für die protestantische Union, so verhängnisvollen Schlacht bei Nürtlingen (06. Sep. 1634) und dem darauf folgenden Zusammenbruch der schwedischen Armee, verlor die Kurpfalz und damit auch Bensheim den protestantischen, schwedischen Schutz. Bensheim kam zu seinem früheren Besitzer, dem Erzbistum Mainz, zurück und wurde nun wieder Katholisch. Ein Jahr später 1635 wurde es abwechselnd von Schweden, Truppen der katholischen Liga, Franzosen oder Spaniern besetzt. Die Stadt war abwechselnd katholisch oder wurde wieder protestantisch, je nach Besatzung. So wechselte sich die Lage Bensheims ständig. Im November des Jahres 1644 waren wieder einmal protestantische, schwedische Truppen, verstärkt durch Franzosen und deutschen Truppen, unter dem Generalmajor Rosa in Bensheim. Am 4. Dezember 1644 begann die Belagerung der Stadt durch Truppen der katholischen Liga. Diese Bayerischen Truppen wurden befehligt von den Generälen von Mercy und von Werth. Bensheim wurde mit 4 Kanonen vom Griesel aus beschossen. Die Bayerischen Truppen konnten zunächst die Vorstadt und später die Altstadt einnehmen. Die üble Nachrede „hinne her“ soll übrigens im Jahre 1568 entstanden sein. Der Heppenheimer Schmied Engelhard hatte die Bensheimer in angeheitertem Zustand damit aufgezogen, daß sie „hinden hernach“ d.h. immer zu spät kämen. Der Bensheimer Rat zog ihn deshalb zur Verantwortung, und er mußte froh sein, mit feierlicher Abbitte und Widerruf davon zu kommen |