Wie ich schon teilweise in meinem Lebenslauf geschildert habe, waren die 20er Jahre und der Beginn der 30er Jahre eine Zeit schwerster wirtschaftlicher Not. Das Schicksal der vielen Arbeitslosen und auch der Wille das Interesse für die eigene Heimat, Geschichte und Mundart zu wecken, führte am 14.05.1930 zur Gründung der Vereinigung zur Erhaltung und Pflege der Bensheimer Mundart, namens "Oald Bensem". Eine Vereinigung, die anfänglich auf Mitgliedsbeiträge und komplizierte Vereinstrukturen verzichtete. Wir trafen uns völlig ungezwungen zu mundartlichen Gesprächen und zu Vorträgen, um das gemeinsame Interesse ausleben zu können. Als Zentrum unseres Treibens stand uns der hintere Saal des "Bürgerlichen Brauhauses" zur Verfügung. |
![]() |
Aus der reinen Heimatvereinigung entwickelte sich das Interesse an einer Bürgerwehr, die Bensheim auch bei auswärtigen Veranstaltung repräsentieren konnte. Wir traten zum ersten Mal beim 10jährigen Gründungsjubiläum der Heimatvereinigung "Alt Weinheim" auf und wurden festlich begrüßt. Auch bei der Gründung der Bürgerwehr versuchten wir möglichst einen klaren historischen Bezug herzustellen: Der erste Auftritt, der damals mit original Steinschloßgewehren und einer aus der Zeit Napoleons stammenden Trommel ausgerüsteten Bürgerwehr, fand am 05.07.1931 statt. Der Bürgerwehr untergeordnet ist noch der Spielmannszug. Zusätzliche Informationen: Die Fahne der Bürgerwehr, Das Gewehr der Bürgerwehr, 75 Jahre "offizielle Auftritte der Bürgerwehr" |
Aber es muß ja nicht immer nur militärisch sein, und so zeigte sich, daß auch eine Biedermeiergruppe vortrefflich in die Heimatvereinigung passte. Bei jedem Winzerfest in Bensheim und beim Besuch befreundeter Städte zeigt sich die Begeisterung der Bevölkerung auf die detailgetreue Biedermeiergruppe aus Bensheim zu stoßen. Die Tracht der Biedermeierdamen und -herren entspricht der in der Biedermeierzeit (1816-1848) der in der Stadt lebenden Bevölkerung. Die Damen trugen meist pastellfarbene Kleider, deren Rock mit Reifen in einer Glockenform gehalten wurde. Den dazu getragenen Hut nennt man Schute. Die Herren trugen einen farbigen, langschößigen Frack, der vorne offen stand, hohen Stehkragen (scherzhaft Vatermörder genannt), ein bauschiges Halstuch, eine Weste, karierte, gestreifte oder farbige enge Hosen mit Steg, einen Ebenholzstock mit Silberknauf und als Kopfbedeckung einen hohen Zylinder.¹ |
![]() |
Nebenbei sei angemerkt, daß die hohe Zahl der Mitglieder und das komplexere Vereinsleben eine größere, eigenständige Unterbringung der Heimatvereinigung nötig machte, und die Heimatvereinigung nun den "Walderdorffer-Hof" zur Verfügung hat, der uns 1977 durch die Stadt in restaurierter Form anvertraut wurde. Ein wahres Schmuckstückchen.
|
![]() |
![]() |
Hier finden Sie die aktuellen Termine für das laufende Jahr, sowie die Termine für die regelmäßigen Zusammenkünfte der einzelnen Gruppen der Heimatvereinigung. |