75 Jahre
"offizielle Auftritte der Bensheimer Bürgerwehr"
1931 - 2006



Vermutlich eines der ältesten Bilder der Bürgerwehr im persönlichen Fotoalbum von Joseph Stoll, welches die Bürgerwehr im Jahre 1930 zeigt, kurz nach ihrer Aufstellung; Quelle: Nachlass Joseph Stoll
Vermutlich eines der ältesten Bilder der Bürgerwehr im persönlichen Fotoalbum von Joseph Stoll, welches die Bürgerwehr im Jahre 1930 zeigt, kurz nach ihrer Aufstellung

Die Bürgerwehr präsentiert sich am 5. Juli 1931 zum ersten Mal der Öffentlichkeit; Quelle: Nachlass Joseph Stoll
Die Bürgerwehr präsentiert sich am 5. Juli 1931 zum ersten Mal der Öffentlichkeit

Die Bürgerwehr mit ihrem Kommandanten beim 3. Bergsträsser Winzerfest 1931 in der Bahnhofstrasse; Quelle: Nachlass Joseph Stoll
Die Bürgerwehr mit ihrem Kommandanten beim 3. Bergsträsser Winzerfest 1931 in der Bahnhofstrasse

Die Bürgerwehr mit ihrem Kommandanten beim 3. Bergsträsser Winzerfest 1931 in der Bahnhofstrasse; Quelle: Nachlass Joseph Stoll
s.o.

Die Bürgerwehr auf Tournee - Schwetzingen in den frühen 30er Jahren; Quelle: Nachlass Joseph Stoll
Die Bürgerwehr auf Tournee - Schwetzingen in den frühen 30er Jahren


1932, vermutlich Winzerfest - es kann los gehen; Quelle: Nachlass Joseph Stoll
1932, vermutlich Winzerfest - es kann los gehen

Aufmarsch beim Blütenfest in Auerbach; Quelle: Nachlass Joseph Stoll
Aufmarsch beim Blütenfest in Auerbach
Ende der zwanziger Jahre, in einer Zeit politischen Unfriedens und wirtschaftlicher Not, scharte Joseph Stoll junge Menschen um sich und unterrichtete sie über die Geschichte unserer Heimat. Dieser Kreis Gleichgesinnter traf sich stammtischmäßig in der Gaststätte "Bürgerliches Brauhaus" und nach einiger Zeit bildete sich aus dieser Gemeinschaft die Heimatvereinigung "Oald Bensem". Als um 1930 der Wunsch laut wurde, beim neu ins Leben gerufenen Winzerfest immer eine Gruppe Stadtsoldaten mitwirken zu lassen, stellte Joseph Stoll in der Heimatvereinigung die Bürgerwehr auf, allerdings war 1930 die Uniformierung noch aus Beständen verschiedener Verleihanstalten zusammengesetzt. Bereits bei ihrem ersten offiziellen Auftreten konnte diese Gruppe, nachdem sie 1931 vollständig bestückt worden war, anläßlich des zehn jährigen Stiftungsfestes der Vereinigung "Alt Weinheim" am 5.7.1931 einen vollen Erfolg verzeichnen. Aber nicht nur die Weinheimer Bürger hatten an diesem Tag die Möglichkeit die neue Sensation zu erleben. Schon am selben Abend trat die Bürgerwehr beim 85. Jubiläumsfest des Bensheimer Gesangsvereins "Liederkranz" erneut auf. Eine weitere Trachtengruppe entstand gar bald, die bei Stoll's Vorliebe für die Biedermeierzeit mit entsprechenden Kostümen ausgestattet wurde. Auch für die Bürgerwehr nahm er sich die Uniformierung der in der Biedermeier zeit bestehenden hessischen Landwehr als Vorbild. Mit viel Idealismus wurde so die beste Werbetruppe für Bensheim aufgestellt. Die Mitglieder der neuen Vereinigung trafen sich nun regelmäßig.

Um für Bensheim zu werben, fuhren die Trachtenträger auch in die Ferne. Sie besuchten Heimat- und Trachtenfeste und ernteten ob ihres guten Auftretens regelmäßig Anerkennung und Erfolg. Zunächst gab es dabei noch Schwierigkeiten. Zur Beteiligung an einem Trachtenfest in Weinheim benötigte der Transportleiter eine Bescheinigung der Bensheimer Polizei in der bestätigt wurde: "Es dreht sich in vorliegendem Fall um keine politische Angelegenheit und wird gebeten, die Herren ungehindert passieren zu lassen." Bei einer Teilnahme am Peter- und Paulfest in Bretten wurden in der Bescheinigung sogar die Ausrüstungsgegenstände einschließlich der Fahne aufgeführt und die Durchfahrt durch Baden sogar dem Landeskriminalamt Karlsruhe schriftlich mitgeteilt. Aber überall wurden die Oald Bensemer mit Begeisterung empfangen und eroberten sich mit der Zeit das ganze Schwarzwaldgebiet. Bensheim mit seinem Weinbau wurde dadurch im südwestdeutschen Raum zu einem Begriff.

Mit der Entwicklung und der Zunahme des Fremdenverkehrs vor dem Krieg, übernahmen die Mitglieder der Heimatvereinigung weitere Aufgaben. Meist wirkten sie beim Empfang der Gäste mit, die mit Sonderzügen hier eintrafen. Doch nicht nur dies, auch zur Unterhaltung trug man bei. Zeitgenössischen Presseberichten ist zu entnehmen, daß die Gäste sehr häufig am Vereinsleben durch Besuch der Versammlungen teilnahmen, dort mit Stücken in Reim und Prosa von Joseph Stoll unterhalten wurden, sich an Bensheimer Witz ergötzten und in unserer Stadt wohlfühlten. Sehr beliebt und gefragt waren auch die sogenannten "Bensemer Owende". Theaterstücke von Joseph Stoll, Vorträge in Mundart, Tänze und Musikstücke wechselten dabei einander ab. Das Auftreten der Trachtengruppen belebte die Szene.
Diese Anstrengungen fanden Anerkennung und es kamen gern Gäste nach Bensheim. Besonders zeigte sich dies am Winzerfest, das alle Veranstaltungen überragte. Der Höhepunkt in der Vorkriegszeit war dabei der große Trachtenfestzug 1938. Viele Gruppen, deren Heimatgemeinden Oald Bensem im Laufe der Jahre besucht hatte, beteiligten sich daran. Dieses Ereignis war für damalige Verhältnisse einmalig.
Leider wurde durch den zweiten Weltkrieg diese Entwicklung unterbrochen. Kriegs- und Nachkriegsjahre brachten empfindliche Verluste. Viele Mitglieder kehrten nicht mehr in die Heimat zurück und in den Wirren der Nachkriegszeit ging vieles verloren. Doch trotz großer Belastungen ließ sich Joseph Stoll nicht entmutigen und wagte einen neuen Anfang. Von seinen Getreuen unterstützt, gab er der Vereinigung neues Leben. Noch vorhandene Trachten und bereits zweckentfremdet verwendete Ausrüstungsstücke wurden wieder zusammengetragen und instand gesetzt. Viele Mitglieder schneiderten sich neue Kostüme auf eigene Kosten und die Zusammenkünfte kamen wieder zustande.[...] W. Fillauer

entnommen: Heimatvereinigung "Oald Bensem" (Hrsg): Festschrift zum 50 jährigen Jubiläum der Heimatvereinigung "Oald Bensem" e.V. , Historischen Bürgerwehr "Joseph Stoll Bensheim und Biedermeiergruppe, Bensheim, 1981, Seite 14-16.